Watchmen |
|
Wie würde die Welt im Jahr 1985 aussehen, wäre Richard Nixon in seiner fünften Amtszeit, hätten die USA in Vietnam gesiegt, stünde der Kalte Krieg kurz vor seiner nuklearen Eskalation? In “Watchmen” scheint das Ende nah, und auch die namensgebende Truppe von Superhelden stellt sich dem nicht entgegen, ist sie doch mittlerweile in den Ruhestand verbannt worden; einzig der maskierte Rohrschach ist noch aktiv. Als einer der Ihren ermordet wird, warnt er seine ehemaligen Mitstreiter und stellt Nachforschungen an, hinter dem Attentat vermutet er nämlich eine Verschwörung.

Was tatsächlich dahinter steckt, rückt nach dem furiosen Auftakt aber lange Zeit in den Hintergrund. Mit bedächtiger Ruhe widmet sich “Watchmen” den gealterten Superhelden, ihrer Vergangenheit und ihren Beziehungen untereinander, was zwar interessant und abwechslungsreich ist, im Nachinein aber etwas übertrieben wirkt. Dennoch überzeugt die komplexe Handlung, über die fast dreistündige Laufzeit wird nämlich eine gelungene Geschichte erzählt, mit vielen Andeutungen und Details und einem würdigen Ende, dessen Tiefgründigkeit wohl einzigartig ist im Superhelden-Genre.
Wie schon die Comic-Vorlage von Alan Moore werden die selbsternannten Retter nämlich mit kritischem Blick beäugt, ihr Handeln und ihre Legitimation in Frage gestellt. Die Abkehr von der selbstgefälligen Verehrung vermeintlicher Helden schlägt sich auch im Formalen nieder: Gewalt und Sex sind explizit, der Action wird nur wenig Raum eingeräumt. Das macht “Watchmen” hin und wieder zu einem anstrengenden, zumeist anspruchsvollen und letztlich befriedigenden Erlebnis, das sich so gar nicht mit den Comic-Verfilmungen der vergangenen Jahre vergleichen lässt.

Auch bei der Inszenierung überzeugt der Film mit viel Akribie und erweißt sich mit dunklen Bildern und stimmigen Effekten als stilistische Wucht. Das Tempo ist gemächlich, auch in den gelegentlichen und sehr schicken Action-Sequenzen wird viel mit Zeitlupen gearbeitet. Dennoch nicht zu kurz kommen die Darsteller, allen voran der grandiose Jackie Earle hinter der Maske von Rohrschach; nur der vollständig digitale Dr. Manhatten wirkt bei Zeiten unfreiwillig komisch. Auffällig auch die meist passende Musikauswahl: Zum wundervollen Vorspann spielt Bob Dylan, es folgen Nena, Jimmy Hendrix und andere.
Seinen Weg geht der Film also erfreulich konsequent und konzentriert sich auf seine inhaltlichen Qualitäten, ohne dass Zusammenhang und Schauwerte dabei unter den Tisch fallen. Einfach ist das Gebotene dennoch nicht, die Nähe zu seiner Vorlage erkauft er sich nämlich mit einer ausufernden Laufzeit und erzählerischer Behäbigkeit. Sieht man von diesen Hürden ab, bietet “Watchmen” allerdings schlüssige und faszinierend gemachte Unterhaltung für Erwachsene, die nicht nur Spaß macht, sondern auch intelligente Denkansätze bereit hält.


