Slangwhanger

Kick-Ass

Super­hel­den gibt es im Comic und auf der Lein­wand, nicht aber in der Rea­li­tät. Warum eigent­lich? Die Ant­wort kennt Dave nicht, also nimmt er die Sache sel­ber in die Hand - ohne beson­dere Kräfte, ohne taug­li­che Aus­rüs­tung, aber mit viel Elan und einem grü­nen Anzug. Der Ver­sa­ger wird zu Kick-Ass, und nach­dem der erste Ein­satz für Recht und Ord­nung im Kran­ken­haus endet, rollt der Ball plötz­lich. Ein Video macht seine geheime zweite Iden­ti­tät zum natio­na­len Internet-Phänomen, im tris­ten All­tag als Schü­ler läuft es mit den Frauen. Sogar neue Mit­strei­ter fin­den sich, als ihm das blut­rüns­tige Duo aus einem klei­nen Mäd­chen und ihrem Vater aus einer brenz­li­gen Situa­tion hilft Aller­dings folgt auch die Gegen­re­ak­tion prompt, denn der Pate einer loka­len Ver­bre­cher­bande fühlt sich auf die Füße getre­ten, bringt sei­nen eige­nen Super­hel­den zum Ein­satz und macht Schluss mit lustig.

Für Dave wird die Lage damit ernst, im Dreh­buch spielt der Humor aber eine zen­trale Rolle. Gerade in sei­ner ers­ten Hälfte gibt sich “Kick-Ass” einige Mühe, die gän­gi­gen Super­hel­den und ihre Eigen­hei­ten zu par­odie­ren, an allen Ecken und Enden auf sie anzu­spie­len. Das klappt, die Ver­bin­dung der kal­ten Rea­li­tät mit nai­vem Hero­is­mus ist äußert unter­halt­sam, im wei­te­ren Ver­lauf ver­liert tritt die­ser Aspekt aller­dings in den Hin­ter­grund. Statt­des­sen kon­zen­triert sich der Film in sei­ner zwei­ten Hälfte auf den Kon­flikt von Dave und sei­nen Gefähr­ten mit dem orga­ni­sier­ten Ver­bre­chen, was der Hand­lung viel von ihrer Eigen­stän­dig­keit nimmt. Denn abge­se­hen von absur­der, blu­ti­ger, zwei­fels­ohne gelun­ge­ner Action machen sich auch einige Län­gen breit und ent­wi­ckelt sich die Hand­lung vor­her­seh­bar, macht bei aller Kri­tik aber immer noch Spaß und hat gelun­gene Figu­ren zu bieten.

Ungleich ärger­li­cher ist, wie der par­odis­ti­sche Aspekt dabei unter die Räder kommt und “Kick-Ass” seine eigene Prä­misse demon­tiert. Am Ende legt sich kein über­mo­ti­vier­ter Jugend­li­cher mehr mit der Rea­li­tät an und kriegt dabei die Levi­ten gele­sen, es mischen ein paar ordi­näre Super­hel­den die loka­len Böse­wich­ter auf. Was den Film dar­über hin­aus zu einem frag­wür­di­gen Erleb­nis macht, ist die Art und Weise, wie die­ses Vor­ge­hen insze­niert wird - näm­lich mit viel Blut, der stil­vol­len Glo­ri­fi­zie­rung von Gewalt und einem klei­nen Mäd­chen als gna­den­lo­ser Mord­ma­schine. Das wer­tet den Film nicht per se ab und kann dank kal­ku­lier­ter Tabu­brü­che durch­aus unter­hal­ten, es fügt sich aber nicht schlüs­sig zusam­men. Von der ursprüng­li­chen Per­si­flage, von einem Sinn hin­ter der Gewalt ist nicht mehr viel zu spü­ren, der Reiz der Exzesse weicht daher schnell dem Befremden.

Ansons­ten gibt die Insze­nie­rung kei­nen Grund zur Klage, bie­tet einen sou­ve­rä­nen Stil und gip­felt immer wie­der in gut gemach­ter, ziem­lich über­dreh­ter Action. Humor und Krea­ti­vi­tät kom­men dabei nicht zu kurz, mit Ein­la­gen aus der Ego-Perspektive, wil­der Akro­ba­tik und dem Ein­satz unge­wöhn­li­cher Waf­fen setzt “Kick-Ass” immer wie­der absurde Akzente. Unter­malt wird der Spaß von manch­mal rocki­gem, manch­mal orches­tra­lem Bom­bast. Auch die Dar­stel­ler gehen in Ord­nung, wobei Aaron John­son als sym­pa­thi­scher Prot­ago­nist nicht wei­ter bemer­kens­wert ist. Für wesent­lich mehr Auf­se­hen sor­gen Chloë Moretz, hin­ter deren kind­li­cher Fas­sade eine gna­den­lose Mör­de­rin mit der­ben Sprü­chen steckt, sowie Nico­las Cage, der ihren Vater und den ver­bit­ter­ten Waf­fen­nar­ren mit eini­ger Selbst­iro­nie gibt.

An der Umset­zung gibt es also wenig aus­zu­set­zen, das eigent­li­che Pro­blem ist das Dreh­buch. Was als aus­ge­las­sene, humor­volle Par­odie beginnt, ent­wi­ckelt sich zu nichts­sa­gen­der Action mit kras­sen Bru­ta­li­tä­ten, bei deren Anblick das Lachen immer wie­der im Halse ste­cken bleibt. Und gerade weil damit am Ende genau das her­aus­kommt, was in der ers­ten Hälfte durch den Kakao gezo­gen wird, fühlt sich der Film alles andere als stim­mig an. Der tolle Auf­takt schürt die Hoff­nung auf eine boden­stän­dige, absurde Ver­sion von “Watch­men”, viel mehr als lau­ter Krach mit bit­te­rem Beige­schmack wird aller­dings nicht gebo­ten. Das ent­täuscht, in die­ser Hin­sicht ist “Kick-Ass” miss­lun­gen, kann ansons­ten aber durch­aus über­zeu­gen. Denn als hem­mungs­lose Action mit humor­vol­len Ein­wür­fen geht er in Ordnung.


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